Lektion 36
Also die Philosophie ist gewiss reizend, o Sokrates, wenn sich jemand mit ihr in maßvoller Weise im Jugendalter befasst; wenn er/man sich aber mehr als das Nötige damit beschäftigt, ist es das Verderben der Menschen (verdirbt das die Menschen). Wenn er also auch (selbst wenn er) völlig begabt wäre und fern vom Jugendalter philosophieren würde, wird es ein Zwang sein (wird es notwendigerweise sein), dass er in allem staatsmännisches (staatsmännischen Dingen) unerfahren bleiben wird. (AcI)
Wenn er also in irgendeine eigene oder bürgerliche Tätigkeit ginge (Aor. Konj.), würde er ausgelacht werden, wie ich wenigstens glaube, dass die Staatsmänner ausgelacht werden würden, wenn sie zu den eurigen Beschäftigungen und Reden gingen. Es ergibt sich also die Rede des Euripides: Glänzend ist gewiss jeder einzelne für sich in diesem, wo er schicksalsmäßig (vom Schicksal aus) am Besten ist: wo auch immer schlecht er ist, dort versucht er sich zu drücken und lästert über dieses.
Aber mir scheint, das Richtige ist, an beidem Anteil zu bekommen: an Philosophie zwar, so viel wegen schön ist Anteil an der Erziehung zu haben (soweit sie einen schönen Anteil an der Erziehung hat), und es ist nicht schändlich für den jungen Mann, zu philosophieren; sobald aber ein schon älterer Mensch noch philosophiert o Sokrates, wird das eine lächerliche Sache. Wenn ich bei einem jungen Mann die Philosophie sehe/entdecke, bewundere ich und halte diesen irgendwie für einen freien Menschen, den, der nicht philosophiert jedoch für unfrei. Jedes Mal wenn ich also einen Älteren sah der noch philosophierte, schien mir dieser Mann Schläge zu benötigen, Sokrates. Folglich ist es nötig, dass ein solcher Mensch, auch wenn er von Natur aus begabt wäre, unmännlich wird, wenn er vom Marktplatz flieht.